Musizieren nach Zahlen: So lernt man bei uns ohne Noten
Kinder spielen ihr Lieblingslied nach Zahlen statt nach Noten — Praxis statt Theorie, Leistung mit Freude. So unterrichtet die School of Pop im Bayerischen Wald.

Der neunjährige Emil spielt am Flügel „Let It Go" aus „Frozen", das er sich selbst ausgesucht hat. Auf seinem Blatt stehen keine Noten, sondern Zahlen. So spielt er sein Lieblingslied schon in einer seiner allerersten Klavierstunden. Das ist der sichtbare Teil einer Musikschule ohne Noten — der eigentliche Kern liegt aber tiefer: in einer Haltung.
Wir drehen alles um
„Du musst die Kinder begeistern" — daran hängt bei uns alles. In der klassischen Schule wird vieles frontal reingetrichtert: friss oder stirb. Wir machen das genaue Gegenteil. Bei uns kommt zuerst der Song, zuerst das Erfolgserlebnis, zuerst die Freude. Dass am Anfang einfache Zahlen statt Noten auf dem Blatt stehen, ist dabei nur das Mittel: So kann ein Kind sofort sein Lieblingslied spielen, statt sich wochenlang mit Notenlesen und Tonleitern aufzuhalten.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht uns sehr wohl um Leistung — aber um Leistung mit Freude. Ein Kind, das mit Begeisterung übt, wird besser als eines, das man zum Üben zwingt. Genau deshalb machen wir es vor: Bei uns unterrichten aktive Musiker, die selbst auf der Bühne und im Studio stehen — Vorbilder zum Anfassen, nicht aus dem Lehrbuch.
Ein guter Lehrer ist ein Held
Ein guter Lehrer trichtert nichts ein — er zündet an. Denn ein Kind ist wie eine Flamme: Es brennt sowieso von selbst. Es will lernen, will etwas können, will sich zeigen. Man muss es dazu gar nicht zwingen — man muss es nur begeistern, motivieren und ihm zutrauen, dass es das schafft. Für uns ist ein guter Lehrer genau das: jemand, der die Flamme sieht und ihr Luft gibt, statt sie mit Druck auszupusten.
So merkt ein Kind Schritt für Schritt: „Oh, ich kann ja doch was." Gerade die, die sich in der klassischen Schule unter Leistungsdruck unwohl fühlen, holen sich am Instrument ihr Selbstvertrauen zurück. Musik ist dabei nie Selbstzweck, sondern das schönste Mittel, um genau das zu erreichen: dass ein Kind mit mehr aus der Stunde geht, als es reingekommen ist. Mehr über diese Haltung steht auf unserer Seite Musikunterricht ohne Noten.
Und die Noten?
Die schließen wir gar nicht aus. Wer weiterkommt, will irgendwann selbst verstehen, wie Musik funktioniert — dann kommen Noten, Tonleitern und Theorie ganz von allein dazu. Weil das Kind sie will, nicht weil sie im Lehrplan stehen. Das ist der ganze Unterschied.
Wer bei uns unterrichtet
Mit dem Schulstart Mitte September übernimmt ein neu zusammengefundenes, vierköpfiges Lehrerteam den Unterricht: Dominik Kalemba, Lukas Hundshammer, Sophie Wiecki und Moritz Sitte-Zöllner. Alle vier sind aktive Musiker, keine reinen Theorie-Vermittler — genau die Vorbilder, von denen dieser Unterricht lebt.
Von der ersten Stunde auf die große Bühne
Wer will, bleibt nicht allein am Instrument. Nach ein paar Stunden laden wir Kinder zur Bandprobe ein — oder sie gründen ihre eigene Band, covern Songs und schreiben eigene Stücke. Die landen nicht nur im Proberaum, sondern auf Wunsch auch auf YouTube und Spotify. Aber immer nur, wenn die Kinder das auch wollen.
Wohin das führen kann, hat unsere Schülerband The Rockets gezeigt: Im Februar 2021 stand sie bei „The Voice Kids" auf der Bühne und rockte den AC/DC-Hit „T.N.T.". Coach Wincent Weiss und die beiden Mitglieder der Fantastischen Vier, Smudo und Michi Beck, waren vom Talent der Kinder überzeugt. Die Band schied später aus — und wurde in ganz Niederbayern trotzdem für ihren Auftritt gefeiert.
So stand es in der Zeitung
Der komplette Bericht „Musizieren nach Zahlen" von Redakteur Leander Schmidbauer ist im Bayerwald-Boten erschienen — online nachzulesen bei der Passauer Neuen Presse. Weitere Berichte über die School of Pop sammeln wir auf unserer Presseseite.
Übrigens: Emil hat sein Zahlen-Blatt als Hausaufgabe mitgenommen — jeden Tag ein paar Minuten, erst die rechte, dann die linke Hand, dann beide zusammen. Wenn dein Kind auch sein Lieblingslied spielen will, statt Tonleitern zu pauken: Die erste Probestunde ist kostenlos — bei uns in Kirchaitnach bei Kollnburg, gut erreichbar auch aus Viechtach und Regen. Ob Klavier, Gitarre oder Schlagzeug — Hauptsache, es macht Spaß.
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